Erste Lesung
Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu
essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam. Sie aber sagte zu ihrem Mann: Ich
weiß, dass dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann ist. Wir wollen ein
kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen
Leuchter für ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen.
Als Elischa eines Tages wieder hinkam, ging er in das Obergemach, um dort zu schlafen. Und als er
seinen Diener Gehasi fragte, was man für die Frau tun könne, sagte Gehasi: Nun, sie hat keinen Sohn
und ihr Mann ist alt. Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie und sie blieb in der Tür stehen. Darauf
versicherte ihr Elischa: Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen.
Zweite Lesung
Schwestern und Brüder! Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft
worden. Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus
durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens
wandeln.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen,
dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.
Evangelium
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner
nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt
hat.
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Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.
Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein
Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Zum Nachdenken
Das heutige Evangelium konfrontiert uns mit einer kompromisslosen Forderung Jesu: wer nicht alles und
alle um Seinetwillen zurücklässt und hintanstellt, ist Seiner nicht wert.
Mit gemischten Gefühlen stehen wir dieser Forderung gegenüber. Ist es nicht Hartherzigkeit und
Lieblosigkeit sondergleichen, die Beziehungen zu allen, die uns lieb und teuer sind – Eltern, Kinder,
Geschwister, FreundInnen – aufzugeben? Das kann Gott, der ja ein Gott der Liebe ist, doch nicht meinen!
Eines ist sicher: Gott verlangt nichts von uns, was gegen die Grundhaltung der Liebe gerichtet ist. Aber:
es kann in der Nachfolge Jesu nie um einzelne Fähigkeiten, einzelne Personanteile gehen, die eingebracht
oder ausgeklammert werden, sondern immer um das Ganze der Person, um das Ganze des Lebens,
die/das angefragt ist. Alle irdischen Güter und Beziehungen sind dem höchsten Gut untergeordnet:
wenn uns Familienbindungen und Lebensgewohnheiten an der Aufrechterhaltung unseres Lebensfadens,
der Gott/Christus heißt, behindern oder diesen sogar verhindern wollen, können wir nicht anders als uns
von ihnen trennen, so schmerzhaft dies auch sein mag.
Es gibt für uns ChristInnen nur die kompromisslose Alternative: Ablehnung Jesu oder Hinwendung
(="Umkehr") zu Ihm. Hinwenden/Umkehren bedeutet, unser Leben von Gott bestimmen zu lassen. Dass
eine solche Umkehr nicht immer einfach ist, sondern uns vermutlich auch mit Nachteilen und
Schwierigkeiten konfrontieren wird, wird im Bild des Kreuzes ausgedrückt.
Trotzdem lohnt es sich, diese uns vielleicht erschreckende Herausforderung zu überdenken und sie nicht
schnell als nur für Ordensmenschen lebbar abzutun. Nachfolge will in unserer ganz konkreten Welt
gelebt und sichtbar werden. Sie lässt nicht nur Schwierigkeiten erwarten, sondern birgt gleichzeitig die
enorme Chance in sich, unser Leben aus dieser ausschließlichen Bindung an Jesus in seinem vollsten
Menschsein zu gestalten. Erst aus dieser Bindung heraus werden wir frei, erfahren sämtliche unserer
menschlichen Beziehungen eine neue Qualität und erhalten einen neuen Stellenwert. Erst dann können
wir Eltern, EhepartnerInnen, Kindern, Geschwistern, FreundInnen ... in Freiheit begegnen und sie auch in
jener Freiheit, die gegenseitige Liebe und Achtung miteinschließt, den eigenen Weg finden und gehen
lassen.
Dass Bindung Freiheit bewirkt ist ein Paradoxon der Botschaft Jesu. Im Evangelium drückt es sich heute
folgendermaßen aus: Leben gewinnen bedeutet verlieren, und Verlust bedeutet Gewinn. Wenn wir dem
roten Faden in unserem Leben nachspüren, werden wir feststellen, wie viele Kreuz(!)ungspunkte es darin
gibt, an denen sich diese Erfahrung bewahrheitet hat. Denken wir nur an die vielen Abschiede, die wir im
Laufe unserer Biographie bereits durchlebt haben – Abschiede von Menschen, von Träumen, von Plänen …
Wenn wir ihnen nicht ausgewichen sind, sondern sie würdig durchlitten und betrauert haben, dann
haben wir auch die Erfahrung gemacht, wie daraus neue Perspektiven, neue Weisheit, neue Tiefe, neue
Freiheit, einfach Raum für unerwartete Erfahrungen von neuem Leben entstanden sind, und wie wir
daraus als gewandelte Menschen hervorgegangen sind.
Nichts anderes wird der letzte Abschied bedeuten als ein Durchgang zur endgültigen und größten
Freiheit und zu immerwährendem Leben in der Liebe Gottes.
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