Evangelium
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Mattäus.
Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn
anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir
alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, so daß der
Statthalter sehr verwundert war. Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen
Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte. Damals war gerade ein
berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die
zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder
Jesus, den man den Messias nennt? Er wußte nämlich, daß man Jesus nur aus Neid an
ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau
sagen: Laß die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute
nacht einen schrecklichen Traum. Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die
Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu
lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen:
Barabbas! Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den
Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein
Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm!
Als Pilatus sah, daß er nichts erreichte, sondern daß der Tumult immer größer wurde,
ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin
unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!
Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er
Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen. Da nahmen die
Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des
Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und
legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm
einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn,
indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den
Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott
mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen
Kleider wieder an.
Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen
Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen. So
kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie
gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet
hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das
Los und verteilten seine Kleider unter sich. Dann setzten sie sich nieder und
bewachten ihn. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine
Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei
Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. Die Leute, die
vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel
niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir
selbst, und steig herab vom Kreuz! Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und
die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er
nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann
werden wir an ihn glauben.
Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat
doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die
man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.
Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land.
Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott,
mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es
hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen
Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Die anderen
aber sagten: Laß doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. Jesus aber
schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riß der Vorhang im
Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich.
Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren,
wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in
die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Männer, die mit
ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah,
erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!