Erste Lesung
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden
ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein
Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie
sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat
sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den
Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres
Gottes sehen.
Zweite Lesung
Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die
Propheten; am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er
zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der
Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein
machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur
Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; er ist umso viel erhabener geworden als
die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute
gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel
Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.
Evangelium
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war
im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was
geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und
das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein
Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an
seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine
Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und
Wahrheit.
Zum Nachdenken
Gott ist gekommen. Er ist da. Und darum ist alles anders, als wir meinen. Die Zeit ist aus dem ewigen
Weiterfließen verwandelt in ein Geschehen, das mit lautloser, eindeutiger Zielstrebigkeit auf ein ganz
bestimmtes Ende hinführt, darin wir und die Welt vor dem entschleierten Antlitz Gottes stehen
werden. Wenn wir sagen: es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein
schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr
rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist.
Und dieses Wort heißt: ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Das ist ein ganz unerwartetes, ein
ganz unwahrscheinliches Wort. Denn wie kann man dieses Wort sagen, wenn man den Menschen
und die Welt und beider grauenvolle und leere Abgründe kennt. Gott aber kennt sie besser als wir.
Und er hat dieses Wort doch gesagt, indem er selbst als Kreatur geboren wurde. Dieses
fleischgewordene Wort der Liebe sagt, daß es eine Gemeinschaft Aug in Aug, Herz zu Herz zwischen
dem ewigen Gott und uns geben soll, ja daß sie schon da ist (wir können uns höchstens noch wehren
gegen den Kuß der Liebe, der schon auf unserem Munde brennt). Dieses Wort hat Gott in der Geburt
seines Sohnes gesagt. Und jetzt ist nur mehr eine kleine Weile eine lautlose Stille in der Welt, und
aller Lärm, den man stolz die Weltgeschichte oder das eigene Leben nennt, ist nur die List der ewigen
Liebe, die eine freie Antwort des Menschen ermöglichen will auf ihr letztes Wort. Und in diesem
langen kurzen Augenblick des Schweigens Gottes … soll der Mensch in dieser Welt noch einmal zu
Wort kommen, und er soll … Gott, der als Mensch in schweigendem Warten neben ihm steht, sagen,
ich – nein, er soll ihm nichts sagen, sondern schweigend sich der Liebe Gottes ergeben, die da ist, weil
der Sohn geboren ist. (Aus: Karl Rahner SJ, Kleines Kirchenjahr, München 1954)
Weihnachten –
Am Tag A – B – C
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
Erste Lesung
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der
eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit
eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk
getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller
Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.
Zweite Lesung
Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem
eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und
das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von
den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; er ist umso viel
erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt,
und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen
sich vor ihm niederwerfen.
Evangelium
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im
Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der
Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis
abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das
Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen
erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die
Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen
Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem
Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit
geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach
mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade
über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus
Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
Zum Nachdenken
Gott ist gekommen. Er ist da. Und darum ist alles anders, als wir meinen. Die Zeit ist aus dem ewigen
Weiterfließen verwandelt in ein Geschehen, das mit lautloser, eindeutiger Zielstrebigkeit auf ein ganz
bestimmtes Ende hinführt, darin wir und die Welt vor dem entschleierten Antlitz Gottes stehen werden.
Wenn wir sagen: es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht
werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und dieses Wort heißt: ich
liebe dich, du Welt und du Mensch. Das ist ein ganz unerwartetes, ein ganz unwahrscheinliches Wort.
Denn wie kann man dieses Wort sagen, wenn man den Menschen und die Welt und beider grauenvolle
und leere Abgründe kennt. Gott aber kennt sie besser als wir. Und er hat dieses Wort doch gesagt, indem
er selbst als Kreatur geboren wurde. Dieses fleischgewordene Wort der Liebe sagt, daß es eine
Gemeinschaft Aug in Aug, Herz zu Herz zwischen dem ewigen Gott und uns geben soll, ja daß sie schon
da ist (wir können uns höchstens noch wehren gegen den Kuß der Liebe, der schon auf unserem Munde
brennt). Dieses Wort hat Gott in der Geburt seines Sohnes gesagt. Und jetzt ist nur mehr eine kleine Weile
eine lautlose Stille in der Welt, und aller Lärm, den man stolz die Weltgeschichte oder das eigene Leben
nennt, ist nur die List der ewigen Liebe, die eine freie Antwort des Menschen ermöglichen will auf ihr
letztes Wort. Und in diesem langen kurzen Augenblick des Schweigens Gottes … soll der Mensch in dieser
Welt noch einmal zu Wort kommen, und er soll … Gott, der als Mensch in schweigendem Warten neben
ihm steht, sagen, ich – nein, er soll ihm nichts sagen, sondern schweigend sich der Liebe Gottes ergeben,
die da ist, weil der Sohn geboren ist.
(Aus: Karl Rahner SJ, Kleines Kirchenjahr, München 1954)