Sonntag, 21 de November de 2027

Der Gottkönig

Ciclo B

Erste Lesung

Daniel sagte: Ich schaute in meiner Vision während der Nacht und siehe: Da kam mit den Wolken

des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn

geführt.

Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten

ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.

Zweite Lesung

Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der

Erde.

Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut, der uns zu einem

Königreich gemacht hat und zu Priestern vor Gott, seinem Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die

Macht in alle Ewigkeit. Amen.

Siehe, er kommt mit den Wolken und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt

haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, Amen.

Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der

Herrscher über die ganze Schöpfung.

Evangelium

In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden?

Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus

entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert.

Was hast du getan?

Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt

wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist

mein Königtum nicht von hier.

Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein

König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis

ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Zum Nachdenken

Als Pontius Pilatus Gouverneur von Judäa war, brachten die jüdischen Behörden einen Gefangenen vor ihn,

damit er ihn zum Tod verurteile. Der Gefangene war offensichtlich vorher schon schlecht behandelt worden.

Seine Kleidung war zerrissen, es war Speichel in seinem Bart und Spuren von Schlägen waren in seinem

Gesicht. Pilatus schaute ihn an und sprach: "Man sagt mir, du beanspruchst ein König zu sein. Bist du ein

König?" "Ja", antwortete der Gefangene, "du hast recht. Ich bin ein König."

Wenn Jesus Christus von sich als König spricht geht es nicht um einen Königsbegriff im politischen, sondern

mehr in einem psychologischen, ja archetypischen Sinn, wie er z.B. auch im Märchen vorkommt. Mit einem

politischen König, der in unserer modernen Welt ohnehin fast nur mehr Repräsentationsfigur ist, fangen wir

heutzutage nicht mehr viel an. Aber in uns allen ist im Unterbewusstsein ein Urbild (Archetypus) des

Königsbegriffes lebendig. Der "König" ist der Inbegriff des freien und souveränen Menschen, der über sich

selbst Herr ist und von niemandem beherrscht wird. Er ist der Weise, der seinem Volk Ordnung garantiert. Er

ist der Retter, der Frieden wieder herstellt und der sich für das Wohl seines Landes verzehrt. In diesem Sinn ist

Christus ein König. Wie kein irdischer König kann Jesus ein Reich begründen, in dem die Menschen Schutz,

Frieden und Heil finden, in dem Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe "herrschen" und wo sie Schutz vor dem

letzten Feind der Menschheit finden: dem Tod und der Vernichtung im Tod. Alle Sehnsucht der Menschen,

dass sich dieses Gottesreich durchsetzen möge, klingt mit, wenn wir Jesus Christus als König bezeichnen.

Wenn Christus aber König ist, dann ist kein Mensch in gleicher Weise KönigIn. Christus als König

anzuerkennen bedeutet auch, allen Arten von weltlichen (politischen, kirchlichen ...) Herrschaftsansprüchen

den letzten Gehorsam zu verweigern.

Weil dieser "Christkönig" unter uns Wohnung nahm, sind auch wir "ein auserwähltes Geschlecht, eine

königliche Priesterschaft" (1 Petr 2,9) Wir haben teil an seinem Wesen und seiner Gestalt (Röm 8,29) und

somit auch an seiner Königsherrschaft. Das heißt, wir sind Königskinder aufgrund der Würde, die uns von

Gott selber zuerkannt wurde! Indem wir äußerlich Christus als König feiern, sind wir eingeladen, auch unserer

eigenen inneren Königswürde nachzuspüren. Wir dürfen spüren, was es heißt, voller Würde, unabhängig,

echt, frei und souverän, sicher und selbstbewusst zu sein – eben ein König, eine Königin. Wer wirklich frei und

souverän ist, kann sich auch frei machen für andere, sich hingeben und dienen. Ein/e wirklich Große/r

verliert nicht seine/ihre Größe durch ein sich Klein-Machen. Wer nicht wirklich KönigIn ist, muss sich und

anderen seine Größe ständig beweisen, indem er/sie andere bewertet und klein hält. An unserem Umgang

mit anderen zeigt sich unser "königliches" Ausmaß an Freiheit und Größe, und unser Anteil am Mitbau am

Königreich Christi. Das himmlische Königreich ist kein Reich allein des Jenseits. Es ist ein Königreich, das im

Hier und Jetzt beginnt, weil wir dessen MitbegründerInnen sind.

Wir dürfen einem König dienen, der sich nicht aufdrängt, der sich von allem Anfang an klein macht, der sich

von unserer Bereitschaft zur Mitarbeit abhängig macht. Der das kann, weil er über wirkliche Würde und

Größe verfügt. Mögen auch wir uns dieser Königswürde immer mehr annähern.

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