Erste Lesung
Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens
wohnten, strahlte ein Licht auf. Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich
vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst
du wie am Tag von Midian. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt,
wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine
Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit,
Fürst des Friedens. Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und
in seinem Königreich, um es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an
bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.
Zweite Lesung
Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und
besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer
Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus
Jesus.
Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein
auserlesenes Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.
Evangelium
Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in
Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von
Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die
Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen
mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren
Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der
Herberge kein Platz für sie war.
In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie
fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch
eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer
Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei
Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
Zum Nachdenken
Mitten in der Nacht, während alles in tiefem Schlaf liegt, wird am Rande der Gesellschaft einer
minderbemittelten Arbeiterfamilie ein Kind geboren. Eine alltäglich sich wiederholende Geschichte. Und doch
bewegt diese eine, gute 2000 Jahre alte, Jahr für Jahr erneut die ganze Welt. Was ist es, das daran noch
heute das Herz des Menschen berührt?
In die Sehnsucht nach Erfüllung meines menschlichen Grundbedürfnisses nach Angenommensein und
Wertschätzung, mit all dem, was mich als Person ausmacht, mit meinen Grenzen und meiner Schuld, ohne
dass vorab eine Leistung erbracht werden muss, in die Erfahrung, dass diese Sehnsucht nie ganz erfüllt
werden kann und wird, in die Erfahrung von vielfacher Begrenztheit und teilweise auch von Schuld – in diese
Sehnsucht und Erfahrung hinein wird Gott Mensch. Nicht von oben schaut er herab auf unsere Wünsche,
Ängste und Gebrochenheiten, nicht auf das Äußere, sondern mit dem den Kindern eigenen, wertfreien, nicht
verurteilenden aber vertrauenden und vertrauensvollen Blick in unser Herz.
Das Kind liegt – in Windeln gewickelt – in einer Krippe. Mehr als im Großen und Außergewöhnlichen ist Gott
im Kleinen und Unscheinbaren, Alltäglichen und Selbstverständlichen gegenwärtig: im liebevollen Lächeln, in
zärtlichen Gesten, im guten Wort, aber auch und gerade dort, wo Schmerz erduldet wird, Tränen geweint und
harte Lebensprüfungen durchlitten werden… – Tag für Tag in unserem Leben, in jedem Menschen, im kleinen
und großen, im armen und reichen, im starken und schwachen… Gott ist “Immanuel” = “Gott mit uns”.
Deshalb können wir Gottes Mensch-Werdung auch tief in unserem Herzen feiern, wenn uns möglicherweise
nicht so recht nach Feiern zumute ist, weil unser Leben gerade leidvoll ist, weil Verletzungen uns plagen und
tiefe Sehnsüchte offen bleiben müssen. Denn diesem Gott im Kind können wir uns ohne Angst öffnen. Vor
ihm dürfen wir uns so zeigen, wie wir wirklich sind, “nackt und bloß”, Scham und Sünde zugeben, Trauer
leben, Angst ablegen, neu Vertrauen schöpfen. Denn dieser Gott im Kind sieht mich an wie ein Kind – nicht
bloßstellend, mich trotz meiner und mit meinen Sünden liebend. Bei ihm kann die Flucht vor mir selbst ein
Ende finden. Möge uns diese Frohbotschaft des kindgewordenen Gottes hinübergeleiten in ein gutes neues
Jahr mit Ihm.
DEUTSCH
Weihnachten –
Am Tag A – B – C
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
Erste Lesung
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden
ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein
Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie
sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat
sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den
Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres
Gottes sehen.
Zweite Lesung
Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die
Propheten; am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er
zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der
Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein
machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur
Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; er ist umso viel erhabener geworden als
die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute
gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel
Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.
Evangelium
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war
im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was
geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und
das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein
Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an
seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine
Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und
Wahrheit.
Zum Nachdenken
Gott ist gekommen. Er ist da. Und darum ist alles anders, als wir meinen. Die Zeit ist aus dem ewigen
Weiterfließen verwandelt in ein Geschehen, das mit lautloser, eindeutiger Zielstrebigkeit auf ein ganz
bestimmtes Ende hinführt, darin wir und die Welt vor dem entschleierten Antlitz Gottes stehen
werden. Wenn wir sagen: es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein
schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr
rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist.
Und dieses Wort heißt: ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Das ist ein ganz unerwartetes, ein
ganz unwahrscheinliches Wort. Denn wie kann man dieses Wort sagen, wenn man den Menschen
und die Welt und beider grauenvolle und leere Abgründe kennt. Gott aber kennt sie besser als wir.
Und er hat dieses Wort doch gesagt, indem er selbst als Kreatur geboren wurde. Dieses
fleischgewordene Wort der Liebe sagt, daß es eine Gemeinschaft Aug in Aug, Herz zu Herz zwischen
dem ewigen Gott und uns geben soll, ja daß sie schon da ist (wir können uns höchstens noch wehren
gegen den Kuß der Liebe, der schon auf unserem Munde brennt). Dieses Wort hat Gott in der Geburt
seines Sohnes gesagt. Und jetzt ist nur mehr eine kleine Weile eine lautlose Stille in der Welt, und
aller Lärm, den man stolz die Weltgeschichte oder das eigene Leben nennt, ist nur die List der ewigen
Liebe, die eine freie Antwort des Menschen ermöglichen will auf ihr letztes Wort. Und in diesem
langen kurzen Augenblick des Schweigens Gottes … soll der Mensch in dieser Welt noch einmal zu
Wort kommen, und er soll … Gott, der als Mensch in schweigendem Warten neben ihm steht, sagen,
ich – nein, er soll ihm nichts sagen, sondern schweigend sich der Liebe Gottes ergeben, die da ist, weil
der Sohn geboren ist. (Aus: Karl Rahner SJ, Kleines Kirchenjahr, München 1954)
Weihnachten –
Am Tag A – B – C
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
Erste Lesung
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der
eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit
eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.
Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk
getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller
Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.
Zweite Lesung
Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem
eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und
das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von
den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; er ist umso viel
erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt,
und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein?
Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen
sich vor ihm niederwerfen.
Evangelium
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im
Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der
Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis
abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das
Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen
erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die
Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen
Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem
Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit
geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach
mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade
über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus
Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
Zum Nachdenken
Gott ist gekommen. Er ist da. Und darum ist alles anders, als wir meinen. Die Zeit ist aus dem ewigen
Weiterfließen verwandelt in ein Geschehen, das mit lautloser, eindeutiger Zielstrebigkeit auf ein ganz
bestimmtes Ende hinführt, darin wir und die Welt vor dem entschleierten Antlitz Gottes stehen werden.
Wenn wir sagen: es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht
werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und dieses Wort heißt: ich
liebe dich, du Welt und du Mensch. Das ist ein ganz unerwartetes, ein ganz unwahrscheinliches Wort.
Denn wie kann man dieses Wort sagen, wenn man den Menschen und die Welt und beider grauenvolle
und leere Abgründe kennt. Gott aber kennt sie besser als wir. Und er hat dieses Wort doch gesagt, indem
er selbst als Kreatur geboren wurde. Dieses fleischgewordene Wort der Liebe sagt, daß es eine
Gemeinschaft Aug in Aug, Herz zu Herz zwischen dem ewigen Gott und uns geben soll, ja daß sie schon
da ist (wir können uns höchstens noch wehren gegen den Kuß der Liebe, der schon auf unserem Munde
brennt). Dieses Wort hat Gott in der Geburt seines Sohnes gesagt. Und jetzt ist nur mehr eine kleine Weile
eine lautlose Stille in der Welt, und aller Lärm, den man stolz die Weltgeschichte oder das eigene Leben
nennt, ist nur die List der ewigen Liebe, die eine freie Antwort des Menschen ermöglichen will auf ihr
letztes Wort. Und in diesem langen kurzen Augenblick des Schweigens Gottes … soll der Mensch in dieser
Welt noch einmal zu Wort kommen, und er soll … Gott, der als Mensch in schweigendem Warten neben
ihm steht, sagen, ich – nein, er soll ihm nichts sagen, sondern schweigend sich der Liebe Gottes ergeben,
die da ist, weil der Sohn geboren ist.
(Aus: Karl Rahner SJ, Kleines Kirchenjahr, München 1954)